Die Reise ist abgebrochen

Am 3. Juli bin ich mit dem Fahrrad in Berlin gestartet, um sechs Monate später und nach über 12.000 Kilometern in Indien anzukommen. Der Weg dorthin versprach das Abenteuer meines Leben zu werden, einmal vollständig auszusteigen, vom sportlichen Ehrgeiz getrieben es um die halbe Welt und an die entlegendsten Orte zu schaffen, meine Grenzen neu auszutesten und dabei nachhaltig den eigenen Horizont zu erweitern. Radreisende wissen wovon ich spreche.

Aber eine Achilles-Entzündung, die den Fuß über Monate hinweg beeinträchtigen kann und bei Überreizung droht chronisch zu werden oder gar die Sehne zum Reißen zu bringen, ließ diesen Lebenstraum bereits wenige Tage nach dem Start platzen.

Dem voraus gingen viele Monate intensiver Planung und Vorbereitung. Ich habe einen tollen und zuverlässigen Reisepartner kennen gelernt, mit dem ich bereits im Vorfeld zusammen verschiedene Touren gefahren bin und mit dem ich dieses Abenteuer gerne gemeinsam durchgezogen hätte.

Ich hatte die großartige Unterstützung meines Arbeitgebers, der keinen Aufwand und keine Mühen scheute, um mir dieses Vorhaben zu ermöglichen. So wurde extra für ein Jahr eine Vertretung eingestellt und eingearbeitet, die nun einen Großteil meiner Arbeit übernimmt.

Ich habe meine Wohnung vermietet und frei geräumt, neben meiner Renten- und Pflegeversicherung auch meine Krankenversicherung in Deutschland ausgesetzt und eine entsprechende Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, einen neuen Reisepass beantragt, mit etlichen Besuchen auf Botschaften und Agenturen alle erforderlichen Dokumente zusammengetragen und den Versand meiner Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl an die deutsche Botschaft in Teheran veranlasst.

Zahlreiche Investitionen und Neuanschaffungen, darunter ein neues Fahrrad mit mehreren Umbauten, waren ebenso erforderlich wie mehrmalige Besuche am Tropeninstitut für alle erdenklichen Impfungen. Hinzu kamen die etlichen Detailplanungen, wie sie vor einer solchen Unternehmung erforderlich sind.

Und ich war natürlich unglaublich nervös und aufgedreht, denn eine Gelegenheit wie ich sie zu diesem Zeitpunkt hatte, wird sich für mich nicht nocheinmal ergeben. Entsprechend habe ich mein Umfeld daran teilhaben lassen. Vielen Dank an dieser Stelle übrigens an alle, von denen ich persönlich und in den sozialen Netzwerken so viel Interesse, Zuspruch und Aufmunterung erfahren habe.

Dass diese Reise Risiken mit sich bringen würde, war mir natürlich klar, doch dass ich mir bereits am allerersten Tag eine Verletzung zuziehen würde, die das ganze Unternehmen schon nach wenigen Tagen zum scheitern bringen würde, daran hätte ich beim besten Willen nicht geglaubt.

Gestern habe ich mich entschieden die Reise abzubrechen, weil ich mit dieser Verletzung nicht in der Lage bin sie weiterzuführen. Nach der Eupohorie fühle mich nun wie versteinert vor Frustration und Verbitterung und bin momentan noch nicht in der Lage die Situation zu realisieren, geschweigedenn mir zu überlegen was ich die nächsten Monate statt dessen sinnvollerweise ohne Arbeit und eigene Wohnung tun kann.

Micha hat sich nun alleine auf den Weg gemacht, um die Strecke vor Ablauf der Visa schaffen zu können. Es tut mir sehr leid ihn bei unserer gemeinsamen Idee im Stich lassen zu müssen. Er berichtet von seinen Erlebnissen auf https://radfahrstreifen.blogspot.de
Unsere erste Überlegung, sich in zwei Wochen mit nachhaltig geheiltem Fuß in Bukarest treffen zu können, halte ich derzeit für aussichtslos, aber vielleicht kann ich ja doch irgendwann nochmal irgendwo dazu stoßen.

Kommentare

  1. Das tut mir unglaublich leid für Dich, aber ich finde die Idee, nach Heilung wieder mit einzusteigen, ganz toll. Warum nicht? Ich wünsche Dir gute Besserung und Micha viel Erfolg. Eventuell springt durch das Verbreiten der Nachricht ja jemand ein oder temporär fahren Radler Teilstrecken mit, das wäre doch auch möglich. Sei nicht komplett down. Allein der Mut , der Wille und die Planung haben Dich sicher auch zu einem neuen Menschen gemacht und Du solltest es nochmal versuchen!

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  2. Hallo,

    erst einmal schade dass das passiert ist, gerade dazu noch so früh, das ist wirklich ärgerlich.

    Der Fuß muss auf jeden Fall in aller Ruhe auskurieren, das kann auch mal 3-4 Wochen dauern je nach Grad der Verletzung.

    Deine angestoßene Idee, nach ein paar Wochen nachdem der Fuß wieder geheilt ist dazu zu stoßen ist doch super, wieso machst du das nicht?
    Das kostet dich ein Zug Ticket nach Hause und ein Flug Ticket an Ort X wenn du wieder zu deinem Partner zurück kehrst und deine Reise wie geplant vollendest. Deinen Fuß kannst du komplett heilen lassen bis dahin und auch sonst bist du ja bereits fertig und perfekt darauf vorbereitet, auch mit den Versicherungen, der Wohnung und der Arbeit etc.

    Gibt doch eigentlich keinen Grund deinen Traum so schnell platzen zu lassen? :-)
    Wo ein Wille, da auch ein Weg mein Freund!

    Ich würde mich sehr darüber freuen bald lesen zu können dass du deine Reise nach Genesung fortsetzt und dir deinen Traum erfüllst!

    Alles Gute für deine Zukunft!

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