Einreise in den Iran

Auf den 310 Kilometern zur iranisch-türkischen Grenze haben wir mit starkem Gegenwind zu kämpfen.

In einem kleineren Ort halten wir um zu Frühstücken. Das Brot bekamen wir vom Bäcker geschenkt, der Besitzer des Ladens vor dem wir uns niederlassen, bringt uns Tee heraus und ein Junge schenkt uns zwei Flaschen Wasser. Nachdem wir das Brot aufgegessen haben, kommt der Ladenbesitzer erneut heraus und fegt aufgeregt die Krümel zusammen. Dank des Google-Translators kann uns ein Passant verständlich machen, dass Brot heilig sei und es es eine Sünde wäre es wegzuwerfen. Es handelte sich, wie gesagt, um die Krümel, die beim Brechen herunter gefallen waren.



Das Land ist extrem karg und kaum besiedelt. So schleppen wir uns Kilometer für Kilometer durch die intensive Sonne und das weite bergige Land, das nirgendwo einen Schattenplatz bietet. Viel Spaß macht das bei dem starken Gegenwind nicht. Dafür haben wir den ganzen Nachmittag freie Sicht auf den Ararat mit seinem prägnanten Gletscher auf der Spitze. Nur an einer stillgelegten Tankstelle findet sich ein grüner lauschiger Garten mit einer Wasserleitung. Der Besitzer bringt Tee und setzt sich zu uns ins Gras. Wir werfen alle unsere Lebensmittel zusammen und halten gemeinsam ein geselliges Picknick.

Trotz der Gastfreundschaft ist mir das kurdische Gebiet unheimlich. Die Gegend wirkt sehr patriotisch und das Militär ist omnipräsent. Auf den Feldern stehen mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten und wir fahren an einer Attrappe eines vermummten Militärs vorbei, die mitten auf der Straße platziert wurde. Außerdem wird es langsam anstrengend, bei jeder Pause als Attraktion beschaut und belagert zu werden.

Am Abend zelten wir mit einem wunderbaren Panoramablick auf den Ararat. Am nächsten Morgen sind es nur noch 30 Kilometer bis zur Grenze.

Zeltplatz mit Blick auf den Ararat


Da der Iran nicht an das internationale Bankensystem angeschlossen ist, hat man als Ausländer keine Möglichkeit innerhalb des Landes Geld abzuheben. Es ist daher erforderlich, das Bargeld für seinen gesamten Aufenthalt bereits bei der Einreise dabei zu haben. Um auf Nummer Sicher zu gehen, wechseln wir bereits unsere kleinen Scheine zürkischer Lira zu einem schlechten Kurs in einem kleinen iranischen Laden auf der türkischen Seite.

noch 20 Kilometer bis zur iranisch-türkischen Grenze
Der Grenzübergang gestaltet sich anstrengend. Alle Informationen sind lediglich auf türkisch zu bekommen und es ist unklar wo wir unseren Ausreisestempel erhalten. Ein paar Jugendliche bieten uns erst freundlich ihre Hilfe an und bitten uns ihnen unsere Pässe auszuhändigen. Als wir ablehnen weden sie aufdringlich und unangenehm und fangen an uns zu belagern. Letztendlich müssen wir durch einen kleinen Füßgängerbereich durch den wir die Fahrräder gerade so mit Präzisionsarbeit hindurchmanövriert bekommen. Auf der iranischen Seite sind sich die Grenzbeamten uneinig darüber, welchen Weg wir mit den Rädern durch die Abfertigung nehmen sollen. Häufig scheinen hier keine Radfahrer den Grenzübergang zu passieren.

Angekommen im Iran, rufen uns mehrere Männer heran, um uns Geld zu wechseln. Wir lehnen ab und gehen in die Wechselstube gegenüber, wo wir einen überraschend guten Kurs bekommen.

Bis Teheran sind es jetzt etwa 900 Kilometer. Insgesamt wird uns unsere Route ungefähr 2500 Kilometer lang durch den Iran führen.

Mazargan, direkt nach der Grenze
Entgegen allem was ich bisher gelesen habe, sind Twitter, Facebook und Blogger hier nicht gesperrt und auch Wikipedia lässt sich nach der Türkei endlich wieder ohne VPN öffnen.

Siehe auch Michas Blogbeitrag zu dieser Etappe: Willkommen im Iran

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