Mit dem Reiserad durchs Riesengebirge – In 3 Tagen 6 mal über die Grenze


Obwohl es der Name anders vermuten ließe, ist das Riesengebirge in Polen und Tschechien letztendlich doch nur ein Mittelgebirge (wenn auch eines der höchsten), aber die drei Tage, die ich am vergangenen Wochenende dort hindurchgefahren bin, waren selbst nach den Albanischen Alpen, dem Atlas, dem Zāgros-Gebirge und Ostanatolien womöglich meine bisher herausforderndste Gebirgstour.

Los ging es am Freitag Vormittag in Görlitz. Die Route verlief entlang der polnisch-tschechichen Grenze etwa 150 Kilometer Richtung Südosten und anschließend südlich davon wieder zurück bis nach Zittau, wo wir am frühen Sonntag Nachmittag ankamen.



Zwar trafen wir unterwegs auf mehrere Rennradrennen und viele Mountainbike-Tagestourer, selbst das Leihen von Tretrollen scheint dort derzeit sehr populär zu sein, aber so gut wie keine bepackten Reiseradfahrenden kamen uns entgegen. Verständlich, denn im Riesengebirge geht es praktisch ausschließlich steil bergauf oder steil bergab, wodurch die Tour unweigerlich zum Extremsport wird. 4132 Höhenmeter auf 263 Kilometer, das bin ich bisher wahrscheinlich noch nie gefahren.

Die Rad- und Waldwege sind großteils nicht asphaltiert und voller Schotter. Insbesondere auf der polnischen Seite und sogar auf dem internationalen Radwanderweg ER-2 macht sich das bemerkbar. Oft wird man außerdem über nervige den Weg querende Abflussrillen geleitet. Auf der tschechischen Seite finden sich dagegen öfter auch gut ausgebaute Wege. Die hübschen Ortschaften bieten viel touristische Infrastruktur und sind außerhalb der Skisaison nicht überlaufen.

Neben den erreichten Höhenmetern habe ich an diesem Wochenende einen weiteren Rekord gebrochen: 6 Grenzübergänge in 3 Tagen. Dafür liebe ich das Schengen-Abkommen, die womöglich großartigste Errungenschaften die die Politik jemals zustande brachte und die hoffentlich auch zukünftig uneingeschränkt erhalten bleiben wird. Teilweise haben wir den Überblick darüber verloren, ob wir uns noch in Polen befanden oder schon wieder nach Tschechien gefahren waren. Es war letztendlich aber auch egal, da in der gesamten Region sowohl mit Kronen als auch mit Zloti und oft sogar mit Euro gezahlt werden kann.

Trotzdem an dieser Stelle mein kleiner Reisetipp für häufige Grenzübertritte bei Ländern mit unterschiedlichen Währungen: am besten wirft man das Geld nicht einfach zusammen in den Geldbeutel, sondern separiert es in kleinen Plastiktütchen. So müssen nicht bei jedem Bezahlvorgang Euro, Zloti und Kronen aus einem Haufen voller Münzen identifiziert werden.

Zelten ist im Riesengebirge ganz gut möglich. Obwohl man viel im Wald unterwegs ist und der Untergrund meist abfällig ist, finden sich auch immer wieder kleine ebene und mit Gras bewachsene Flächen. Wir hatten das Glück zweimal in der Nähe eines Rastplatzes mit Sitzgelegenheiten nächtigen zu können.

Das Riesengebirge ist in jedem Fall sehenswert. Gute Kondition ist allerdings erforderlich.

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