Tipps und Hinweise für Radreisen durch Marokko

2015 bin ich etwa 1600 Kilometer mit dem Fahrrad durch Marokko gefahren. Das ist jetzt leider schon ein paar Jahre her, ich versuche aber trotzdem aus meiner Erinnerung heraus ein paar Tipps und Hinweise zusammenzutragen, die anderen Radreisenden vielleicht hilfreich sein könnten.

Die Reise startete in Fès, ging Richtung Süden über den Atlas, entlang des Sahara-Randgebiets und erneut über den Atlas Richtung Norden an die Atlantik-Küste bis nach Casablanca.

Fahrradtransport in öffentlichen Verkehrsmitteln
Fahrräder können im Bus im Gepäckraum transportiert werden. Mit der Bahn ist der Fahrradtransport nicht ohne Weiteres möglich. Hierzu muss ein gesondertes Transportunternehmen beauftragt werden.

Kleidung
Sonnenschutz sollte in der Wüste nicht fehlen.

In Marokko gibt es unterschiedlichste Klimazonen. Während der Norden von mediterranem Klima Klima geprägt ist, herrscht im Süden ein saharisch-kontinentales Klima. Im Gebirge kann es kalt werden. Es empfiehlt sich daher für jegliches Wetter ausgerüstet zu sein. Insbesondere in den Wüstenregionen sollte ein Sonnenschutz, auch für das Gesicht, nicht fehlen. Dünne helle Longsleeves aus Merinowolle sorgen auch in der heißen Mittagssonne für erträgliche Temperaturen. Mit Mütze und dünnen Handschuhen lässt es sich vermeiden nachts, im Gebirge und bei schlechtem Wetter zu frieren.

Navigation
Kilometersteine helfen bei der Orientierung.

Am einfachsten und unabhängigsten navigiert es sich, wie überall auf der Welt, mit dem freien Kartenmaterial von Openstreetmap (OSM) und entsprechenden Apps wie OsmAnd und Oruxmaps.

Openstreetmap wird von ehrenamtlich Aktiven in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Gerade in Marokko sind allerdings viele relevante Einrichtungen wie Geschäfte, Fahrradläden oder Wasserstellen noch nicht erfasst. (Anderes Kartenmaterial ist hier übrigens großteils noch deutlich lückenhafter.) Wenn du an entsprechenden Orten vorbei kommst, die noch nicht bei Openstreetmap engetragen sind, ergänze sie doch bitte, damit diese Informationen zukünftig auch anderen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stehen. Relativ einfach geht dies zum Beispiel nach einer kurzen Einarbeitung mit der App Vespucci oder mit OsmAnd, was auch zur Navigation genutzt werden kann.

An den Straßen befinden sich häufig Kilometersteine, die einem auch ohne Navigationsgerät immer einen guten Überblick über die Entfernungen zu den nächsten Städten geben.

Pannen und Reparaturen
Reifenpannen lassen sich kaum vermeiden.

Im Ganzen Land liegen spitze Stacheln und Dornen auf Boden. Ich hatte bisher nirgendwo sonst so viele Platten wie in Marokko – teilweise mehrmals täglich. Auf entsprechende Bereifung sollte daher geachtet werden.

Die in Marokko erhältlichen Flicken für den Schlauch sind in der Regel andere als die in Europa erhältlichen und funktionieren nur mit einer entsprechenden Vulkanisierungsmasse, die in jedem Fall mitgekauft werden sollte.

Straßen
Die Straße sind oft gut ausgebaut.

Die Straßen in Marokko sind meist in guten Zuständen und das Verkehrsnetz ist grundsätzlich recht gut ausgebaut. Der Verkehr ist in der Regel moderat. Seitenstreifen sind allerdings eher unüblich. Ebenso wird man in den Städten kaum Radwege finden.

Tiere
Es gibt in Marokko viele Skorpione. Entsprechend ist insbesondere nachts beim Zelten Vorsicht geboten.

Verpflegung
In den größeren Städten lassen sich auf den Märkten sehr gut Lebensmittel einkaufen. Außerhalb der Städte ist das Angebot allerdings dürftig. Meist muss man mit dem Angebot kleiner Dorfläden auskommen, was sich oft auf Süßwaren, Brot und einige wenige Konserven (oft Fisch) beschränkt. Tagsüber bietet es sich daher eher an Essen zu gehen, sofern sich unterwegs eine Gelegenheit ergibt.

Abgepacktes Trinkwasser ist überall erhältlich. Dennoch schadet es nicht für Notfälle Mikropur zur Wasseraufbereitung mitzuführen.

Besonders lecker sind je nach Region und Jahreszeit die Granatäpfel, Datteln und Kaktusfeigen, die sich oft frisch am Straßenrand pflücken lassen. Letztere wachsen vor allem wild und üppig und wecken bei Marokkanern komischerweise kaum Interesse.

Zelten
Zeltplatz in einem ausgetrockneten Flusslauf

Da viele Regionen dünn besiedelt sind, lässt sich in der Regel meist gut ein Zeltplatz finden.

Im Atlas-Gebirge ist der Untergrund oft steinig und rauh. Eine Luftmatratze kann im Gegensatz zu einer einfachen Isomatte dabei helfen unebene Stellen auszugleichen. Luftmatratzen werden allerdings schnell von herumliegenden Dornen und Nadeln durchstochen, weswegen wiederum eine zusätzliche Isomatte als Unterlage hilfreich sein kann.

Für Marokko empfiehlt sich ein freistehendes Zelt, denn es erleichtert den Aufbau wenn sich keine Heringe in den Boden schlagen lassen, also beispielsweise im Gebirge oder in sandigen Wüstenregionen.

Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Thema Radreisen in Marokko sind im Radreise-Wiki zu finden.

Sollten dir darüber hinaus interessante Tipps und Hinweise für eine Radreise durch Marokko einfallen, würde ich mich freuen, wenn du sie hier in den Kommentaren ergänzt.

Siehe auch
Radreisetipps für weitere Länder   

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