Tipps und Hinweise für Radreisen durch die Vereinigten Staaten

Bei den Tipps und Hinweisen für Radreisen geht es diesmal um die Vereinigten Staaten. Der Artikel wurde als Gastbeitrag von Michael Sebicht aus Triebes in Thüringen erstellt.

Die Durchquerung der USA von der West- zur Ostküste war die vorletzte Etappe von Michaels mehr als 30.000 Kilometer langen Radweltreise, über die er ausführlich in seinem Blog berichtete. Im April 2018 startete er in Los Angeles und reiste gut drei Monate mit dem Fahrrad durch die Schluchten und Canyons Utahs und Arizonas, über die Berge der Rocky Mountains weiter in den Mittleren Westen bis hinauf in das Rustbeld bei Detroit. Auf einem kleinen Abstecher ging es dann weiter durch Kanada, ehe er Anfang Juli in Bostson an der Ostküste ankam.



Einreise und Visum

Die Einreise in die USA kann eigentlich ohne viel Aufwand im Rahmen des Visa-Waiver-Programms erfolgen. Vor der Abreise muss man sich hierfür lediglich im elektronischen Reisegenehmigungsverfahren ESTA („Electronical System for Travel Authorization“) registrieren. Anschließend kann man sich drei Monate visumfrei in den USA bewegen. Die Kosten belaufen sich auf überschaubare 14 US-Dollar.

Weit komplizierter wird es, wenn man, wie ich, zuvor im Iran (oder in Syrien, im Irak oder im Sudan) gewesen ist. Liegt dieser Aufenthalt weniger als fünf Jahre zurück, kann die Einreise in die USA nicht über das Visa-Waiver Programm erfolgen. Stattdessen muss bei einer US-Botschaft ein reguläres Visum beantragt werden.  Die Vorgehensweise bei der Beantragung des Visums richtet sich nach der jeweiligen US-Botschaft in dem Land, in dem das Visum beantragt wird. Also bei mir damals in Malaysia und somit von der US-Botschaft in Kuala Lumpur. Bitte beachtet auch, dass ihr auf jeden Fall einen persönlichen Interview-Termin mit der US-Botschaft vereinbaren müsst und sich somit das ganze Verfahren bis zu einer Woche strecken kann.

Verkehrssituation und Radwege

Radweg-Beschilderung
Obwohl es entlang der meisten Straßen keine separaten Radwege gibt, ist das Radfahren in den USA im Großen und Ganzen recht entspannt, denn die Highways sind großzügig dimensioniert und haben zu 99 Prozent einen breiten Standstreifen, welcher ideal als Radweg taugt. Zu beachten ist aber, dass auf den Interstate Highways (ähnlich unserer Autobahn) das Radfahren verboten ist und die Polizei bei Verstoß keinen Spaß versteht.

Wer dennoch dem Autoverkehr entfliehen möchte, sollte sich auf der Internetseite der „Adventure Cycling Association“ erkundigen. Deren Mitglieder haben über die letzten Jahrzehnte tausende Meilen an Radwegen zusammengefasst und stellen diese als Download zur Verfügung.

Anmerkung des Blogbetreibers: Wer sich mit den US-amerikanischen Verkehrszeichen vertraut machen möchte, findet in der deutschsprachigen Wikipedia eine Bildtafel mit den entsprechenden Bedeutungen.

Fahrradläden 

Grundsätzlich hat man in den ganzen USA eine gute Fahrrad-Ersatzteilversorgung. In jeder kleineren Stadt findet sich ein Fahrradhändler, der neben gutem Service auch ein umfassendes Sortiment von Ketten, Reifen, Bremsbelägen, Tretlagern usw. führt. Sucht man jedoch spezielle Teile oder Ausrüstungsgegenstände kann man oft verzweifeln, da viele Amerikaner mittlerweile Online bestellen und somit die Geschäfte nur noch ein schlankes Sortiment bieten. Die Erfahrung musste ich machen, als mir eine meiner Fahrradpacktaschen kaputt ging. Weder von Vaude, Ortlieb oder einem vergleichbaren Hersteller konnte ich einen wasserdichten hochwertigen Ersatz finden.

Wildcampen

Zelten im Valley of the Gods
Einfach so das Zelt aufschlagen ist auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht überall denkbar. Die Flächen entlang der Straße sind oft eingezäunt und das Betreten ist verboten. Häufig gibt es ausgewiesene Campingplätze, welche jedoch eine satte Gebühr verlangen. Ausnahmen gibt es in den „National Forests“ und sogenannten „Wilderness Areas“. So war es z. B. ganz offiziell gestattet im „Valley of the Gods“ in Utah zu campen. Darüber hinaus  laden auch einige kommunale Parks, insbesondere im Mittleren Westen der USA, zum kostenlosen Zelten ein. Diese bieten dann auch häufig Toiletten, Steckdosen, Sitzbänke und manchmal sogar WLAN.

Das Zelten auf privatem Besitz sollte man nach Möglichkeit meiden, da viele US-Amerikaner Schusswaffen besitzen und davon angeblich gelegentlich auch Gebrauch machen.

Lebensmittelversorgung und Trinkwasser

Kalorienreicher Radreise-Snack
In den USA legt man alle Wege mit dem Auto zurück. Und selbstverständlich auch den zum nächsten Supermarkt, welcher nicht selten 30 Kilometer oder mehr entfernt ist. In den dominierenden Großmärkten wie Walmart, Safeway oder Alberts findet sich dann aber alles wie in Deutschland auch, wobei das Angebot natürlich vielfältiger ausfällt. Auf den ersten Blick kommen einem die Preise erheblich teurer vor, was jedoch teilweise täuscht, da Milch, Käse, Müsli und sogar Bier in größeren Verpackungen verkauft werden.

Ob man in den USA das Leitungswasser bedenkenlos trinken kann, weiß ich leider nicht zu beurteilen. Die Trinkwasserqualität unterscheidet sich regional erheblich und fast immer wird zur Desinfizierung Chlor hinzugefügt.
Milch in
2-Gallonen-Flaschen

Meilen, Pfund, Unzen und Gallonen

In Europa wurde bereits im 19. Jahrhundert das metrische System eingeführt, welches auf die Maßeinheiten „Zentimeter“, „Gramm“ und „Sekunden“ aufgebaut ist. Und heute wird es in fast allen Ländern der Welt genutzt, sodass z.B. die Distanz in Metern angegeben wird. In den USA hält man jedoch bis heute an Meilen, Pfund, Galonen, Kelvin etc. fest. Insbesondere beim Einkauf im Supermarkt ist dies anfangs sehr verwirrend, wenn die Flasche Milch eine halbe Gallone enthält und die Gemüsewaage alles in Unzen und Pfund anzeigt. Hier bedarf es ein wenig Übung bis man sich an die ständige Kopfrechnerei gewöhnt hat. Rechenfaule finden dafür sicherlich auch eine passende App für ihr Handy.

Kiffen

Seit 2014 ist der Erwerb und Konsum von Marihuana in einigen Bundesstaaten der USA legal. In lizenzierten „Retail Shops“ kann man das Cannabis problemlos erwerben und muss hierfür lediglich den Ausweis vorlegen. Der Konsum in der Öffentlichkeit ist jedoch nach wie vor verboten, obwohl sich offensichtlich kaum jemand daran hält. Denn an jeder Straßenecke kann man den süßlichen Geruch wahrnehmen. Und da der Besitz von Marihuana in vielen Bundesstaaten immer noch illegal ist, sollte man sich bevor man eine Landesgrenze überquert stets nach der aktuellen Rechtslage informieren.

Achtung! Wer unbedingt einmal das USA-Marihuana probieren möchte, sollte beachten, dass die meisten Sorten durch intensive Züchtung einen viel höheren THC-Gehalt als üblich haben. Den Joint sollte man sich daher nur zum Tagesende gönnen, da ansonsten die Fahrtüchtigkeit nicht mehr gewährleistet wäre. ;)

„Hey, how are you?“

Amerikaner lieben den Smalltalk und so kann man zu jeder Tageszeit und bei fast jeder Gelegenheit in ein nettes Gespräch verwickelt werden. Und dies nicht nur wenn man mit dem vollgepackten Radel an einer Tankstelle auf der legendären Route 66 pausiert und dabei die Aufmerksamkeit von einem dutzend Motorradfahrern hat. Nein, auch bereits beim Einkaufen im Walmart oder bei einem Kaffee in einem der unzähligen Diner kommt man mit der Bedienung oder dem Gegenüber am Essenstisch zwanglos ins Gespräch. Häufig erfährt man bei solchen Unterhaltungen von den Einheimischen auch noch ein paar nützliche Tipps für einen weiteren Abstecher auf der Reiseroute.

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Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Radreisen in den Vereinigten Staaten sind im Radreise-Wiki zu finden. Allgemeine Reiseinformationen für die USA gibt es bei Wikivoyage und beim Auswärtigen Amt.

Sollten dir darüber hinaus interessante Tipps und Hinweise für Radreisen durch die Vereinigten Staaten einfallen, würde ich mich freuen, wenn du sie hier in den Kommentaren oder im oben verlinkten Radreise-Wiki und bei Wikivoyage ergänzt.

Siehe auch

Radreisetipps für weitere Länder

Michael reiste 2018 etwa 3 Monate lang durch die USA

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