Tipps und Hinweise für Radtouren durch Athen

Bei meinem kürzlichen Besuch in Griechenlands Hauptstadt Athen, konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die Stadt wenigstens an einem Tag mit dem Fahrrad zu erkunden.

Athen ist leider keine fahrradfreundliche Stadt. Das Radfahren ist dort weder sicher noch bequem und das Fahrrad für den Alltag wenig tauglich. Trotzdem macht es Spaß die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden, weil sie vieles zu entdecken bietet, was mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so schnell und flexibel erreichbar ist. Nicht zuletzt ist das Radfahren in Athen auch gerade wegen seiner fehlenden Infrastruktur zumindest ein kleines Abenteuer.

Fahrradverleih

Besonders viele Radverleih-Läden scheint es in Athen nicht zu geben. Im Internet hatte ich mir den Fahrradladen „FUNKyRiDe“ in der Dimitrakopoulou 1 ausgesucht, der sich mitten im Stadtzentrum, nur wenige Minuten fußläufig der Akropolis befindet. Leider war er um 10.30 Uhr noch immer geschlossen und weder im Internet noch an der Türe ließen sich die Öffnungszeiten in Erfahrung bringen.

Zwei Parallelstraßen weiter, in der Lempsi 11, befindet sich der Laden „Solebike“. Dort bekommt man allerdings nur unfassbar teure eBikes angeboten. Die Preise beginnen bei 30 Euro für zwei Stunden.

Wiederrum direkt um die Ecke, in der Athanasiou Diakou 16, befindet sich der Laden „Athens by Bike“. Diesen Laden kann ich sehr empfehlen, denn dort bekommt man schnell, unkompliziert und preiswert für 10 Euro am Tag ein hinreichend gutes Fahrrad geliehen.

Radwege

Der einzige Radweg ist zugleich auch Gehweg
In Athen existieren gerade einmal drei Radwege, von denen nur einer im Zentrum liegt und für eine Stadttour interessant ist. Er führt von der Innenstadt westlich der Akropolis zum Hafen hinunter und wird wegen fehlender Gehwege auf mehreren Streckenabschnitten ebenso vom Fußverkehr genutzt.

Sonst gibt es nur noch den etwa zwei Kilometer langen Agioi-Anargyroi-Radweg im Norden der Stadt und einen kleinen Radweg-Ring, der um die Hochschulen im Osten der Stadt herum führt.

Auf allen anderen Straßen muss sich der Radverkehr die Fahrbahn ohne Schutzstreifen mit dem motorisierten Verkehr teilen. Weitere vereinzelte Radwege existieren erst wieder in den nördlichen Vororten Chalandri und Marousi.

Radrouten

In Athen endet beziehungsweise beginnt die fast 6000 Kilometer lange Osteuropa-Route (EuroVelo 11), die bis zum Nordkap führt. Sie verläuft in der Stadt allerdings über normale Verkehrsstraßen und ist dort nicht ausgeschildert.

Straßen und Infrastruktur

Die Stadt ist auf den Autoverkehr ausgerichtet.
Die Infrastruktur ist deutlich spürbar auf den Autoverkehr fokussiert. Zunächst dient der öffentliche Raum als Parkraum, meist in Form von beidseitig an jeder Straße verlaufenden Parkstreifen. Um trotz der Enge einiger Gassen auf jeder Seite eine Parkreihe zu gewinnen, wurden viele Straßen auf eine Fahrspur reduziert und sind somit nur als Einbahnstraße in eine Richtung befahrbar. Die Einbahnstraßen sind in der Regel in Gegenrichtung nicht für den Radverkehr frei gegeben und bieten bei Gegenverkehr auch gar nicht genug Platz, um mit dem Fahrrad zwischen dem fließenden und dem ruhenden Verkehr hindurch zu kommen.

Der Fußverkehr hat es besonders schwer. Gehwege sind oft nur wenige Zentimeter breit. Bäume werden trotzdem genau dort gepflanzt. Hinzu kommen Poller, die ebenfalls auf den Gehwegen installiert werden, um zu verhindern, dass auch diese letzten dem Fußverkehr verbleibenden Zentimeter als Parkplatz missbraucht werden.

Ein gesonderter oder gar geschützter Bereich für den Radverkehr ist auf Athens Straßen nicht vorgesehen und in der Enge einiger Gassen und Gehwege ist es manchmal sogar schwierig für das Fahrrad einen Abstellplatz zu finden.

Wie kommt man hier weiter?
Bordsteinkanten und Fußgängerüberwege sind normalerweise nicht abgesenkt und damit nicht barrierefrei. Dass Fußgängerampeln mit Countdownzählern versehen sind, visualisiert sehr schön die Ungleichbehandlung zwischen motorisiertem Verkehr und Fußverkehr. An einer Ampel lässt sich zum Beispiel mitzählen, wie der Fußverkehr 16 Sekunden gehen darf und 60 Sekunden warten muss, während für den motorisierten Verkehr die umgekehrten Zeiträume gelten.

Wer es nicht schafft, die vollständige Straße mit einer Grünphase zu überqueren und auf einer Fußgängerinsel auf die nächste Phase warten muss, sollte beachten, dass diese gegebenenfalls so schmal sein kann, dass ein Fahrrad quer darauf abgestellt werden muss, um nicht zu einem Großteil auf die Fahrbahn hinauszuragen. Das Fahrrad dort parallel zur Fahrbahn zu platzieren, ist natürlich nur möglich, wenn die Verkehrsinsel frei ist und sich nicht weitere Passanten darauf befinden.

Grundsätzlich gilt: etwas Dreistigkeit ist auf jeden Fall Voraussetzung, um zwischen all den Autos, in der so gar nicht auf den Radverkehr ausgerichteten Infrastruktur, voran zu kommen.

Verkehr

Einbahnstraße mit beidseitiger Parkreihe
Radverkehr spielt in Athen kaum eine Rolle. Fast häufiger noch als Fahrräder sieht man elektrische Tretroller. Um sich gegenüber des recht ignoranten Autoverkehrs behaupten zu können, ist ein wenig Wagemut erforderlich.

Autofahrende halten häufig keinen hinreichenden Überholabstand. Auch wird Radfahrenden oft nicht die ihnen zustehende Vorfahrt gewährt. Das Recht der Stärkeren scheint hier so selbstverständlich zu sein, dass man sogar damit rechnen kann angehupt zu werden, wenn man mit dem Fahrrad auf seine Vorfahrt besteht. Glücklicherweise sind viele Nebenstraßen so eng, dass der Autoverkehr dort ein wenig langsamer fließt und das Unfallrisiko dadurch etwas abgemildert wird.

Fahrradstaffel der Polizei
Um so interessanter ist es bei all dem Verkehr und beschriebener Infrastruktur übrigens, dass zumindest die Athener Polizei mit einer Fahrradstaffel auf Streife in der Stadt unterwegs ist.

Steigungen

Athen liegt zwischen den Bergen, aber mit einem guten Fahrrad und entsprechender Gangschaltung sind die Steigungen gut machbar und die Innenstadt ist zum Großteil relativ steigungsfrei befahrbar.

An den Berghängen der Stadt führen häufig Treppen hinauf, die mit einem leichten und gut tragbaren Fahrrad einfacher zu besteigen sind.

Alkohol

In Griechenland ist keine Promillegrenze für Radfahrende festgelegt. Trotzdem kann Radfahren unter Alkohohleinfluss geahndet werden. Die Bußgelder richten sich dabei nach dem gemessenen Wert und können bis zu einige hundert Euro betragen. Gefährdungen die durch Radfahren unter Alkoholeinfluss ausgelöst wurden, können mit bis zu 1.200 Euro und einer Freiheitsstrafe geahndet werden. (Quelle)

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Radreisen in Griechenland sind im Radreise-Wiki zu finden. Allgemeine Reiseinformationen für Athen gibt es bei Wikivoyage und allgemein für Griechenland beim Auswärtigen Amt.

Sollten dir darüber hinaus interessante Tipps und Hinweise für Radtouren durch Athen einfallen, würde ich mich freuen, wenn du sie hier in den Kommentaren oder im oben verlinkten Radreise-Wiki und bei Wikivoyage ergänzt.

Die Aufzeichnung meiner Route



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