Tipps und Hinweise für Radreisen durch Kambodscha

Tiefe Urwälder und die wilde Mekong-Landschaft machen eine Radreise durch das südostasiatische Land Kambodscha zu einem echten Abenteuer. Was man auf den Straßen, im Urwald und beim Zelten für das Gelingen einer sicheren und ereignisreichen Tour beachten sollte, darum geht es in diesem Artikel.

Ich habe Kambodscha im Rahmen einer Südostasien-Reise von Südvietnam kommend besucht. Die Route führte parallel des Mekong-Ufers in den Norden nach Laos. Ein ausführlicher Bericht dieser Radeise ist hier zu finden.


Anforderungen

Eine gewisse Radreiseerfahrung ist für eine Tour durch Kambodscha durchaus von Vorteil, denn tropisch-feuchtwarmes Klima, für den europäischen Magen ungewohnte Lebensmittel und Bakterien sowie die Verkehrs- und Straßenverhältnisse, können sich für ungeübte Radreisende als durchaus anspruchsvoll erweisen und bedürfen einer gewissen Umgewöhnung und Flexibilität. 

Kambodscha ist allerdings ein recht sicheres Reiseland. Es besteht überwiegend aus Tiefland, wodurch nicht viele Höhenmeter zurückzulegen sind und in dieser Hinsicht keine besondere Kondition erforderlich ist. Es ist empfehlenswert die Reise mit einem zuverlässigen, robusten und geländefähigen Fahrrad anzutreten, um auch abseits der asphaltierten Straßen gut voran zu kommen.

Einreise

Bei der Einreise über Land, ist nicht auszuschließen, dass korruptes Grenzpersonal auf Sonderzahlungen besteht, die dann direkt in die eigene Tasche wandern. Wer sein Visum bereits vorab beantragt, kann mögliche Unannehmlichkeiten vermeiden. Die aktuellen Einreisebestimmungen sind auf der Seite des Auswärtigen Amts zu finden.

Navigation

Ortsangaben auf Khmer und Englisch
Die Ortsangaben auf den Straßenschildern sind gelegentlich zweisprachig auf Khmer und Englisch, oft aber auch nur auf Khmer und somit nicht lesbar für Menschen, die der kambodschanischen Schrift nicht mächtig sind.

Am einfachsten und unabhängigsten navigiert es sich, wie überall auf der Welt, mit dem freien Kartenmaterial von OpenStreetMap (OSM). Dieses kann vor der Reise vollständig kostenlos heruntergeladen werden, womit man zum Navigieren vor Ort nicht auf die schlechte Internetverbindung in Kambodscha angewiesen ist. Mit der App Oruxmaps und dem Zusatztool BRouter können damit sogar Routen auf dem Smartphone offline berechnet werden.

OpenStreetMap wird von ehrenamtlich Aktiven in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Gerade im Iran sind allerdings viele relevante Einrichtungen wie Geschäfte und Fahrradwerkstätten noch nicht erfasst. (Anderes Kartenmaterial ist hier übrigens großteils noch deutlich lückenhafter.) Wenn du an entsprechenden Orten vorbei kommst, die noch nicht bei OpenStreetMap engetragen sind, ergänze sie doch bitte, damit diese Informationen zukünftig auch anderen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stehen. Relativ einfach geht dies zum Beispiel, nach einer kurzen Einarbeitung, mit der App Vespucci. Die App Osmand dient sogar sowohl als umfangreiche Navigationsapp, als auch als Editor.

Straßen und Verkehr

In Kambodscha gilt Rechtsverkehr.

Die Hauptstraßen sind meist asphaltiert. Kleinere Nebenstraßen sind dagegen häufig nicht befestigt und bei trockenem Klima möglicherweise recht staubig. Während der Regenzeit von April/Mai bis September/Oktober sind viele der unbefestigten Straßen schlammig und nicht mit dem Rad befahrbar.

Zu den Straßenverhältnissen schrieb das Auswärtige Amt (abgerufen am 3. November 2019): „Straßen sind mit wenigen Ausnahmen in schlechtem Zustand. Von Fahrten mit dem Fahrrad oder mit dem Motorrad wird aus Gründen der Verkehrssicherheit abgeraten“.

Sicherlich sind die Straßen oft nicht gut ausgebaut. Eine explizite Sicherheitswarnung für Radfahrende, halte ich persönlich jedoch für deutlich überzogen, denn mit entsprechender Aufmerksamkeit, sind kambodschanische Straßen, je nach Wetterverhältnissen, selbstverständlich auch mit dem Rad befahrbar.

Lebensmittelversorgung

Wer über Land fährt und unabhängig sein möchte, sollte als Selbstversorger einen Benzinkocher dabei haben. Einkaufsgelegenheiten können in abgelegenen Region selten zu finden sein. Entsprechend sollte man die Reserven frühzeitig auffüllen. Sehr preiswert und schmackhaft sind die kambodschanischen Straßenküchen. Wenn man einen wasserdicht verschließbaren Aufbewahrungsbehälter für Lebensmittel dabei hat, kann man sich dort praktischerweise auch eine Mahlzeit für unterwegs einpacken lassen. Grundsätzlich sollten Lebensmittel, wegen der vielen Ameisen, immer gut verschlossen sein.

Balut
Auf den Märkten gibt es häufig gekochte Eier zu kaufen. Oftmals handelt es sich dabei um Balut. In solchen Eiern befindet sich ein gebrütetes Küken, das im Ei gekocht wurde und vollständig verspeist wird. Verständigungsprobleme machen es meist unmöglich bei den Händerinnen und Händlern zu erfragen, um welche Eier es sich in deren Sortiment handelt, aber mit einem etwas geschulten Auge lassen sich Balut mit der Zeit von ungebrüteten gekochten Eiern auseinander halten. Beide unterscheiden sich minimal in Farbe und Struktur voneinander.

Leitungswasser ist nicht als Trinkwasser geeignet, aber in fast jedem Laden lässt sich abgefülltes Trinkwasser kaufen. Wer sicher gehen möchte, nimmt einen Wasserfilter oder Mikropur zur Wasseraufbereitung mit oder kocht sein Wasser ab. Entsprechende Vorsicht gilt natürlich auch beim Genuss von Getränken mit Eiswürfeln, die möglicherweise aus Leitungswasser hergestellt worden sein können.

Radfahren im Urwald

eine Brücke im Urwald
Ohne GPS-Gerät sollte man auf keinen Fall durch den Urwald fahren, schon gar nicht ohne ausreichend Wasser- und Lebensmittelvorräte im Gepäck. Auch gutes und digitales Kartenmaterial ist im Urwald teils fehlerhaft. Eingezeichnete Wege sind oft nicht (mehr) vorhanden, führen in andere Richtungen, sind zugewachsen oder durch eingestürzte Brücken nicht mehr passierbar. Tatsächlich vorhandene Wege sind dagegen oft nicht auf der Karte verzeichnet oder Enden irgendwann überraschend im Nichts.

Manchmal finden sich im Wald abgelegene Dörfer. Dort leben die Menschen in extremster Armut und ohne jegliche materielle Dinge und ohne Infrastruktur, auf offenen mit Pfählen aufgestellten kleinen Plattformen. Maximal gibt es dort etwas Wasser oder kleine salzige Snacks zu kaufen.

Waldbrand im Urwald
An Brücken wird manchmal durch einen Waldbewohner ein geringfügiges Wegezoll verlangt.

Vorsicht ist vor Waldbränden und Rodungen geboten. Entlang der Wege werden nicht selten ganze Waldareale abgebrannt. Diese Wege sind dann kaum noch passierbar. Dort besteht vor allem die Gefahr vor Brandverletzungen, Materialschäden und Rauchvergiftungen.

Trampen

Annett und Raimund von fahrrad-abenteuer-reisen.de haben auf ihrer Radreise durch Kambodscha auch Erfahrungen mit dem Trampen gesammelt und berichteten auf ihrer Webseite, dass Trampen mit Fahrrädern und viel Gepäck, dank vieler Pickups und Kleinlaster, die im Land unterwegs sind, kein Problem sei. Allerdings müsse man an manchen Straßen etwas Geduld mitbringen. Die beiden haben zudem allgemeine Hinweise zum Trampen auf Radreisen zusammengestellt.

Angkor Wat mit dem Fahrrad

Die Tempel von Angkor Wat sind sicherlich die bekannteste und größte Touristenattraktion Kambodschas. Das außergewöhnlich weitläufige Gelände lässt sich ebenfalls am besten und flexibelsten mit dem Fahrrad erkunden. Nicht nur weil man auf diese Weise die Beine schont, man gelangt damit auch an die einsamen Orte jenseits der Touristenmassen. Wer nicht mit dem eigenen Fahrrad in Kambodscha unterwegs ist, hat die Möglichkeit in der Gegend eines zu mieten.

Mehrere Tipps für Radtouren um Angkor Wat und konkrete Routenvorschläge gibt es auf dieser Seite.

Zelten

Geeignete und versteckte Zeltplätze lassen sich recht einfach finden. Dabei sind jedoch die Hinweise zu den in der kambodschanischen Wildnis lebenden Tieren zu beachten. (siehe unten)

Die Tage sind ganzjährig verhältnismäßig kurz. Um den Tag optimal zum Fahren nutzen zu können, empfiehlt es sich früh aufzustehen und spätestens gegen 17 Uhr einen Platz für das Nachtlager ausfindig gemacht zu haben, um rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit noch ausreichend Zeit für den Zeltaufbau und das Abendessen zu haben.

baden im Mekong
Baden ist im Mekong an vielen Stellen gut möglich. Außerdem lässt sich am Fluss die durchgeschwitzte und staubige Kleidung auswaschen. Allerdings warnt das Auswärtige Amt vor einem Infektionsrisiko durch den Pärchenegel Schistosoma, „der das chronische Krankheitsbild der Bilharziose, eine Entzündung von Harnblase oder Darm, hervorrufen kann“ und rät daher von Kontakt mit dem Wasser des Mekong und seiner Seitenarme ab.

Das Übernachten in buddhistischen Tempeln, soll als sichere Alternative zum Zelten möglich sein. Ich habe damit jedoch keine Erfahrung gesammelt.

Kleidung

Kopfbedeckung, Sonnenbrille und dünne
langärmelige Kleidung sollte nicht fehlen.
Gegen lästige Mücken hilft lange Kleidung. Diese dient ebenso als Schutz vor der Sonne, der man auf dem Fahrrad den ganzen Tag über ausgesetzt sein kann. Ebenso sollte eine Sonnenbrille und eine Kopfbedeckung nicht fehlen. Gegen staubige Straßen und Abgase im städtischen Verkehr kann das Tragen einer Staubmaske oder zumindest eines Schlauchschals Abhilfe verschaffen.

Zum Betreten von Tempeln gelten bestimmte Kleidungsvorschriften, die seit einigen Jahren strenger durchgesetzt werden. Nicht zulässig sind sehr kurze Hosen und Röcke und rückenfreie T-Shirts beziehungsweise Oberteile mit Spaghettiträgern. Frauen müssen einen BH tragen.

Tiere 

kläffende Hunde am Wegesrand
Um krankheitsübertragende Mücken fern zu halten, hilft neben langer Kleidung auch Mückenspray. Natürlich sollte man nicht ohne Moskitonetz schlafen und sich gegebenenfalls Gedanken über eine Malaria-Prophylaxe machen. Außerdem besteht die Gefahr, sich über Mückenstiche mit Chikungunya-Fieber oder Japanischer Enzephalitis zu infizieren.

Bei herumstreunenden Hunden besteht Tollwutgefahr. Da man auf Radreisen recht häufig auf unfreundliche Hunde stößt, sollte man sich unbedingt im Vorfeld gegen die tödliche Krankheit impfen lassen, die nicht nur über Bisse, sondern auch über den Speichel der Tiere übertragen werden kann. Des weiteren sollten die Impfempfehlungen des Robert-Koch-Insituts beachtet werden.

Büffel kreuzen häufiger den Weg.
Vorsicht ist vor Schlangen und Spinnen geboten, insbesondere beim Zelten abseits der Wege, denn einige in Kambodscha vorkommende Arten können giftig sein.
Die häufig die Straße überquerenden wuchtigen Büffel sind normalerweise friedlich und zurückhaltend. 

Ersatzteile

Spezielle Ersatzteile für moderne Fahrräder sind in Kambodscha in der Regeln nicht verfügbar und sollten bei Bedarf vorsorglich mitgebracht werden.

Stromversorgung

Stromausfälle sind in Kambodscha keine Seltenheit und wer viel in der Wildnis und abseits der großen Straßen und Ortschaften unterwegs ist, sollte sowieso seinen eigenen Strom produzieren, damit nicht plötzlich das Navigationsgerät ausfällt. Neben Strom aus dem Nabendynamo, bietet es sich wegen der vielen Sonnenstunden in Kambodscha an ein Solar-Panel mitzuführen, das je nach Fahrtrichtung und Sonnenstand, entweder auf der Lenkertasche oder auf dem Gepäckträger befestigt werden sollte.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Radreisen durch Kambodscha sind im Radreise-Wiki zu finden. Allgemeine Reiseinformationen für das Land gibt es bei Wikivoyage und beim Auswärtigen Amt.

Sollten dir darüber hinaus interessante Tipps und Hinweise für Radreisen durch Kambodscha einfallen, würde ich mich freuen, wenn du sie hier in den Kommentaren oder im oben verlinkten Radreise-Wiki und bei Wikivoyage ergänzt.

Siehe auch

Radreisetipps für weitere Länder

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