Tipps und Hinweise für Radreisen durch den Iran

Im September 2017 fuhr ich mit dem Fahrrad durch den Iran. Kommend von der Türkei ging die Reise zunächst über Tabriz nach Teheran und anschließend einmal quer durch das Land bis nach Bandar Lengeh an der Südküste.

Die folgenden Tipps und Hinweise basieren auf den Erfahrungen, die ich während der fünf Wochen, die ich auf den Straßen Irans unterwegs war, sammeln konnte.

Ersatzteile
Die Versorgung mit guten Ersatzteilen ist in der Regel schwierig. Insbesondere die Auswahl an geeigneten Mänteln lässt zu wünschen übrig. In großen Städten wie Teheran, sind allerdings einige Fahrradläden vorhanden, die originale Fahrrad- und Ersatzteile der bekannten Markenhersteller anbieten.

Frauen auf dem Fahrrad
Iranerinnen ist es zwar nicht verboten mit dem Fahrrad zu fahren, allerdings können sie schnell Probleme von der Sittenpolizei bekommen. Ausländerinnen bekommen dagegen in der Regel keine Probleme wenn sie mit dem Fahrrad durch das Land fahren. Dabei sollten allerdings die entsprechenden Kleidungsvorschriften eingehalten werden (siehe unten).

Auch der Fahrradverleih ist für Frauen oft nicht verfügbar. (Quelle: Iran im Herzen, Teil 4, Arte-Dokumentation, 2015)

Interesse an Radreisenden
Das Interesse ist immer groß.
Das Interesse an westlichen Radreisenden und die Gastfreundschaft die ihnen entgegengebracht wird sind enorm. Stets wird man eingeladen und mit Lebensmitteln beschenkt. Allerdings leidet darunter auch ein wenig die Privatsphäre und bei jeder Rast sind die gleichen Fragen der zahlreichen interessierten Passanten zu beantworten. Auch haptisch sind Räder und Ausrüstung im Iran von großem Interesse, was oft dazu führt, dass ungefragt am Lenker herumgefummelt und die Gangschaltung verstellt wird.

Kleidung
Auch Männer sollten die Beide bedecken und lange Hosen tragen, was je nach Jahreszeit beim Radfahren oft nerven kann. Bei Touristen werden kurze Hosen in der Regel toleriert, insbesondere beim Fahren auf der Straße außerhalb der Ortschaften. Man muss allerdings mit abwertenden Blicken rechnen, wenn zu viel Bein zu sehen ist. Eine gute Alternative sind kurze Hosen die noch die Knie bedecken. Schultern und Oberarme sollten ebenfalls bedeckt sein.

Frauen sind angehalten ein Kopftuch zu tragen, das allerdings weder bis zur Stirn vorgezogen werden, noch das Haar vollständig bedecken muss.

Navigation
Am einfachsten und unabhängigsten navigiert es sich, wie überall auf der Welt, mit dem freien Kartenmaterial von OpenStreetMap (OSM). Dieses kann vor der Reise vollständig kostenlos heruntergeladen werden, sodass keine Internetverbindung erforderlich ist. Mit der App Oruxmaps und dem Zusatztool BRouter können damit sogar offline Routen auf dem Smartphone berechnet werden.

OpenStreetMap wird von ehrenamtlich Aktiven in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Gerade im Iran sind allerdings viele relevante Einrichtungen wie Geschäfte und Fahrradwerkstätten noch nicht erfasst. (Anderes Kartenmaterial ist hier übrigens großteils noch deutlich lückenhafter.) Wenn du an entsprechenden Orten vorbei kommst, die noch nicht bei OpenStreetMap engetragen sind, ergänze sie doch bitte, damit diese Informationen zukünftig auch anderen Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stehen. Relativ einfach geht dies zum Beispiel nach einer kurzen Einarbeitung mit der App Vespucci.

Sicherheit
Der Iran ist ein sicheres Reiseland. Wer allerdings mit dem Smartphone navigiert oder andere hochwertigere Geräte nutzt, sollte sie nicht sichtbar am Lenker befestigen. Innerhalb der fünf Wochen die ich mich im Land aufgehalten hatte, wurde gleich zweimal versucht mir das Smartphone zu entwenden. Einmal bei einem Raubüberfall auf der Landstraße und ein anderes Mal im Stadtverkehr durch einen aggressiven Riss vom Lenker.

Straße mit geschütztem Seitenstreifen
Straßen und Verkehr
Die Dichte des Verkehrs kann regional stark variieren. Im Einzugsgebiet und innerhalb größerer Städte kann regelrechtes Verkehrschaos entstehen, was beim Radfahren äußerste Aufmerksamkeit erfordert. In den Wüstenregionen, insbesondere auf den Nebenstraßen, herrscht dagegen ein eher moderater Verkehr.

Die meisten größeren Straßen besitzen breite Seitenstreifen, auf denen es sich sehr gut unabhängig des motorisierten Verkehrs fahren lässt.

Insbesondere die zahlreichen alten LKW können für Radfahrerende eine enorme Abgasbelastung darstellen, sodass man, insbesondere wenn es bergauf geht, in schwarzen Rußwolken verschwinden kann. Es empfiehlt sich daher eine Feinstaubmaske dabei zu haben.

unvermeidbarer Verkehr im Ballungsgebiet
Ein besonderes Problem für Radfahrer stellen die vielen geplatzten LKW-Reifen entlang der Straße dar. Die darin eingearbeiteten kleinen Metall-Drähte verteilen sich oft auf dem Boden und bohren sich durch die Fahrradmäntel, was zu häufigen, kaum vermeidbaren Pannen führen kann.

Toiletten
Im Land und entlang der Straßen gibt es viele Tankstellen und immer wieder Moscheen. Diese haben in der Regel verhältnismäßig saubere öffentliche Toiletten. Wer Toilettenpapier benötigt, sollte immer welches dabei haben.

Verpflegung
am besten selber kochen

Die Verpflegungsmöglichkeiten in öffentlichen Restaurants beschränken sich in der Regel auf Kebap mit Reis und Joghurt, was auf Dauer sehr eintönig werden kann. Daneben existieren zahlreiche Imbisse, die Burger mit großen Qualitätsunterschieden und Pizza (mit Ketchup und Mayonaise statt Tomatensoße) anbieten. Als Alternative bleibt meist nur Selberkochen.

Kleinere Läden mit Getränken und rudimentären Lebensmitteln sind innerhalb der Ortschaften häufig zu finden.

Warm Showers
Es existiert eine ausgeprägte Community von radreisebegeisterten Iranern, die anderen Radreisenden über warmshowers.org kostenlos eine private Unterkunft anbieten und in der Regel stark an einem Austausch mit Ausländern interessiert sind.


Zelten
Wildcampen in einem ausgetrockneten Flussbett

Wildcampen ist die einfachste und flexibelste Möglichkeit, um unabhängig mit dem Fahrrad durch das Land reisen zu können. Das Picknicken und Zelten in Parks und auf öffentlichen Grünflächen ist Bestandteil der iranischen Alltagskultur und das Nächtigen im Freien, wird im Gegensatz zu mitteleuropäischen Ländern, allgemein akzeptiert. Plätze an denen das Campen verboten ist, sind explizit als solche ausgewiesen.

Alle Erfahrungen die ich beim Wildcampen im Iran sammeln konnte, habe ich für einen entsprechenden Beitrag bei persiaport.com zusammengefasst.

Weitere Informationen
Weitere Informationen für Radreisen durch den Iran findest du im Radreisewiki.

Sollten dir darüber hinaus interessante Tipps und Hinweise für eine Radreise durch den Iran einfallen, würde ich mich freuen, wenn du sie hier in den Kommentaren ergänzt.

Siehe auch
Radreisetipps für weitere Länder

Kommentare

  1. Vielen Dank für all die Informationen.

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  2. Wir haben was Ähnliches in Tunesien gemacht...Hatten gegen die Hitze extra zwei Sonnenschirme nach Maß anfertigen lassen die man bequem verstauen konnte... War auf jeden Fall das Erlebnis schlechthin

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